Discounter Weine im Test - alles objektiv?

Veröffentlicht auf von Dirk Würtz

Der bundesdeutsche Weintrinker kauft seinen Wein im Discounter, und zwar mehrheitlich. Daran habe ich mich nicht nur gewöhnt, ich finde das sogar ganz in Ordnung. Schließlich ist Wein kein Nischenprodukt, sondern ein trinkbares Kulturgut für die breite Masse. Im Übrigen ist der Markt so groß, dass auch alle spezialisierten Fachhändler überleben können. Bei den Discountern ist eine gezielte und effektive Bewerbung für das Produkt Wein natürlich unumgänglich. Insofern ist es kaum verwunderlich, wenn eine Discounterkette mit einem Testerfolg ihrer Weine Werbung macht. Weintests dieser Art finden in regelmäßigen Abständen in diversen Weinpublikationen statt. Gerade in den letzten zwei, drei Jahren ist dieses Thema fast schon "en vogue". 2006 fand beispielsweise eine große Discounterweinprobe des Meiniger Verlages in Neustadt statt. Hierbei wurde für das Fachmagagzin "Weinwirtschaft", das in diesem Verlag erscheint, das Sortiment mehrerer Discounter probiert. Eine Supermarktkette schnitt dort besonders gut ab, LIDL. Der Discounter ging als "überlegener Frühjahrsieger" aus der Verkostung hervor und, laut Magazin "Die Weinwirtschaft" könne man zufrieden sein, wenn der gesamte Lebensmitteleinzelhandel auch nur annähernd dieses Lidl-Resultat erreichen würde." So weit so gut, Glückwunsch an LIDL möchte man meinen. Zumal die Testerfolge auch in jüngster Zeit nicht abreißen. Leider hat das Ganze aber einen leicht faden Beigeschmack. Da gibt es in Neustadt an der Weinstraße eine Firma TWQ. das Kürzel steht für total-wine-quality. Ein Institut für Qualitätsmanagement "vom Weinberg bis zum Kunden". Das Aufgabengebiet von TWQ wird auf deren homepage genau beschrieben:"Wir begleiten den Wein von der Referenzprobe bis zum endgültigen Produkt im Regal. Auch im Anschluss daran unterziehen wir die Weine einer regelmäßigen Überprüfung, um die Qualität im Regal zu garantieren". Wenn man auf der Seite ganz nach unten geht, sieht man deren Referenzliste, zu der auch die Firma LIDL gehört. Ein kurzer Klick auf das Impressum, und es erscheinen die beiden Geschäftsführer dieses Institutes: Andrea und Christoph Meininger. Eben diese Meinigers, denen auch der Meininger Verlag gehört, bei deren Verkostungen der Discounter LIDL so große Erfolge feiert. Honi soit qui mal y pense.
Grundsätzlich ist das jetzt ja nichts wirklich verwerfliches, aber es hat halt so ein "Gschmäkle". Vielleicht wäre Meiniger gut beraten, diese Sache einmal ganz offen zu kommunizieren, oder habe ich das bisher nur nicht mitbekommen? Für den aussenstehenden Betrachter wie mich, entsteht da einfach der Eindruck von Interessenverquickungen, die eine sachliche und objektive Bewertung von Weinen theoretisch erschweren könnte.

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B
Die Sache mit der "absoluten Unabhängigkeit" bzw. (soweit einem Menschen überhaupt möglich) objektiven Werturteilen zu oder Empfehlungen von irgend'was , egal, ob Wein, Autos, Restaurants oder was auch immer ist - jedenfalls, wenn es um Geld, Renommee, Macht oder Einfluss (oder Erpressung bzw. die berühmte Leiche im Keller) geht - in ganz weiten Teilen nichts als ein schöner, aber eben unwirklicher, Traum . Ich neige inzwischen dazu als erstes die Frage " Und wo ist die personelle Verbindung?" zu stellen. Wieviele Pfifferlinge ich auf die Bewertung gebe, entscheide ich dann, wenn ich die Antwort habe. Dabei heißt eine aufgedecḱte (oder auch ganz offen / offensiv kommunizierte) personelle Verbindung aber noch nicht automatisch, dass das abgegebene Urteil nichts mehr taugt. Es lässt nur einfach sensibler und wachsamer werden. Und das wiederum stärkt das Vertrauen in sich selbst und den Mut, selbst zu probieren und zu urteilen, wie man selbst etwas findett. Und wenn ich etwas mag, dann ist das für mich auch gut - egal, was irgendwelche Veröffentlichungen dazu sagen! (P. s.: Zu Lidl-Weinen habe ich kein Urteil. Ich habe - zumindest wissentlich - noch keine getrunken. Das liegt aber einzig daran, dass ich bei Lidl nicht einkaufen mag!).
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A
Offen gesagt hat mich die Tatsache dass sowohl Meininger Verlag als auch TWQ den selben Inhabern gehören schon mehrfach verwundert. Verwundert vor allem weil die ganze Zeit niemand danach gefragt hat. Das wiederum zeigt mir auch wie wenig da hinterfragt wird. Den Gedanken der hinter TWQ steht finde ich übrigens gut. Ein System zur Kontrolle von Weinqualitäten dass sicherstellt dass der Verbraucher im Regal auch die Qualität kauft die dort stehen soll. Ab einem gewissen Volumen ist da eine externe Kontrolle wichtig und richtig. Fragwürdig in dieser Sache ist natürlich aber auch die Tatsache in wie weit durch die selben Inhaber dann der redaktionelle Inhalt des Instruments Meininger Verlag leidet, bzw. ob dann immer absolute Unabhängigkeit gewährleistet werden kann...
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