Hinter den Kulissen der Lindenstrasse

Veröffentlicht auf von Dirk Würtz

Es gibt wohl kaum eine Sendung im deutschen Fernsehen, die so heftige und unterschiedliche Reaktionen hervorruft wie die Lindenstrasse. Seit der Erstausstrahlung am 8. Dezember 1985 sorgt diese Serie für Diskussionsstoff. Die einen lieben sie, die anderen hassen sie und einigen ist sie schlichtweg egal. Ich gehöre zu denjenigen die diese Serie lieben und seit der Erstausstrahlung verfolgen. Es dürfte keine Folge geben, die ich nicht wenigstens einmal gesehen habe. Für mich ist die Lindenstrasse dadurch zu viel mehr als einer bloßen Fernsehserie geworden. Ich habe, so merkwürdig das auch klingen mag, eine sehr enge und persönliche Beziehung zu all den Charakteren und Handlungen die im Laufe der Jahre durch die Serie gewandert sind. Dementsprechend aufgeregt war ich vor einigen Tagen, als ich die Möglichkeit hatte an einer ganz speziellen und besonderen Tour durch die Studios in Köln teilzunehmen. Eine Tour, die für den Normalsterblichen unerreichbar ist (Danke Claudia!!!!). Eines vorab: Unser Tourführer war ein sympathischer junger Mann von der Pressestelle der Produktionfirma. Er hat seine Sache wirklich sehr gut gemacht, aber ich glaube er war froh, als wir wieder weg waren. In einigen Situationen war der arme Kerl allerdings ernsthaft überfordert. Für einen Moment war ich anfangs allerdings auch überfordert. Bevor ich auch nur einen Zipfel der Produktion sehen durfte, mußte ich eine Erklärung unterschreiben. Alles was ich sehen würde und auf den weiteren Verlauf der Handlung schließen läßt darf nicht veröffentlicht werden. Die aktuellen Dreharbeiten sind ungefähr drei Monate im Handlungsstrang voraus. Also bitte nicht fragen, auch wenn ich Euch einiges erzählen könnte. Danach durfte ich einen Fragebogen ausfüllen. Neben so labidaren Fragen wie welche Charaktere man besonders möge und welche nicht, gab es auch so Fragen wie: "Finden Sie es gibt zu viele Ausländer in der Serie?", "Finden Sie es gibt zu viele Schwulen und Lesben in der Serie?" und "Hat die Serie Ihnen im normalen Leben schon bei Problemlößungen geholfen?". Da hat sich einer wohl ganz grundlegende Gedanken gemacht, was das Zielpublikum anbelangt.
Die Innenkulissen befinden sich auf einer Fläche von 2.500 qm. Fast alle Wohnungen sind hier aufgebaut und bis ins kleinste Detail ausgestattet. Das alles wirkt so real und echt, dass ich immer das leicht unangenehme Gefühl hatte in die Privatsphäre anderer Menschen einzudringen. Ich habe mir natürlich alles angeschaut, alle Schränke aufgemacht, mir die CDs betrachtet und die herumliegenden Notizen gelesen. Man muss sich das einmal vorstellen: Ich saß auf Helga Beimers Sofa, am Tisch in der WG der Mädels (früher die Wohnung von Gabi), auf dem Sofa von Hansemann unter den Bildern des tragischen Franz Schildknecht und am Tisch von Else Kling! Ich stand im Akropolis an der Bar und saß auf dem Sessel von Rehlein Berta Griese! Im Moment bekomme ich eine Gänsehaut!!! Natürlich weiß ich, dass alle diese Dinge nicht real sind. Aber diese Fiktion gefällt mir so unglaublich gut, dass ich die Realität einfach mal ignoriere. Selbstverständlich war auch die ganze Technik und der Aufwand, der hinter dieser Serie steckt beeindruckend. Aber das hat mich ehrlich gesagt nicht wirklich interessiert. Ich wollte das gar nicht sehen. Ich habe mich von einer Wohnung in die nächste treiben lassen, mir dabei überlegt wer früher darin gewohnt hat, welche Schicksale sich dort abgespielt haben und was sich in dieser Zeit alles verändert hat. So ähnlich war das dann auch später in der Außenkulisse. Ich saß im Biergarten vom Akropolis, stand vor der Tür von Haus Nummer 3, lehnte am Schaufenster des Reisebüros, starrte durch die Fensterscheibe des Café Beyer und bewunderte das Gewächshaus von Zorro im Hinterhof. Und ganz am Ende habe ich mich auf die Bank gesetzt, auf der normalerweise Harry sitzt. Der Penner Harry, gespielt von keinem geringeren als Harry Rowohlt. jetzt fehlt zu meinem perfekten Glück nur noch ein kurzer Auftritt. Aber der kommt auch noch...
Und falls jemand irgendetwas über die Lindenstrasse wissen will, egal was, fragt mich!

Veröffentlicht in kein Wein

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Biene 03/13/2009 18:13

Ich höre Vögel zwitschern, draußen ist es hell, die Jacke kann zumindest schon'mal offen bleiben, mein Blumenstand auf dem Markt ist aus der Winterpause zurückgekehrt, aus der Stereoanlage Münchener Freiheit, der Beitrag über einen unvergesslichen Tag in der Lindenstraße.........FRÜHLINGSGEFÜHLE!!!!!!!! ;-))

Übrigens: Kommenden Sonntag, Folge 1215, "Betrug und Lügen", ausnahmsweise erst um 19:30 Uhr!

hans 03/13/2009 14:59

die vorliebe für die lindenstraße scheint eine typisch würtz'sche sache zu sein ...
(kann ich aus eigener erfahrung berichten)

wenn ich mich recht erinnere, hat allerdings der griechische wein in dieser straße eine marktbeherrschende rolle ....
prost

pivu 03/13/2009 11:59

So, damit bist Du also kein "Normalsterblicher" mehr wie ich, der ich die Serie noch NIE (ehrlich) gesehen hab'.