Ärgernis der Woche

Veröffentlicht auf von Dirk Würtz

Neues von Dr. Motz....

Fußball ist hierzulande bekanntlich "Volkssport Nr.1". Manchmal muss ich mich allerdings doch fragen, ob das, was da auf und am Rande des grünen Rasen so alles passiert, tatsächlich etwas mit "Sport" zu tun hat. Gelten für balltretende Millionäre im Kampf gegen Doping andere Regeln als für Turner, Skifahrer oder Tennisspieler?
 
Zugegeben, wer schon mit einer wöchentlichen Kernarbeitszeit von 90 Spielminuten überlastet ist, dem dürfte auch mit leistungsfördernden Präparaten nicht zu helfen sein. Die aktuelle Diskussion um die Hoffenheim-Profis Andreas Ilbertsberger und Christoph Janker aber ist so unnötig wie die Regelauslegung bei so genanntem passiven Abseits. Auch wenn die Beiden selbst noch die geringste Schuld treffen mag und die Geschichte um ihr verspätetes Erscheinen zur Doping-Kontrolle in erster Linie von hierfür verantwortlichen Vereinsfunktionären verbockt wurde: Am vom DFB anerkannten Mindeststrafmaß von einem Jahr Sperre darf und kann es nichts zu rütteln geben. Sind es nicht die Hoffenheimer, die immer wieder betonen, wie professionell im eigenen Umfeld gearbeitet wird? Am fehlenden Geld kann es jedenfalls nicht gelegen haben und auch der Ausfall jener zwei Spieler dürfte durch einen Griff von Herrn Hopp in die Portokasse zu kompensieren sein.
 
So gesehen ist zu befürchten, dass am Ende wieder einmal die Falschen bestraft werden. Es sei denn, man denkt beim DFB tatsächlich über den Einspruch von Liga-Konkurrent Borussia Mönchengladbach gegen die Spielwertung (1:1) nach. Aber damit ist wohl kaum zu rechnen. Abgesehen davon, dass ausgerechnet der Tabellen-Letzte mit einem Punktgewinn gegen den Herbstmeister ganz zufrieden sein sollte.
 
Bestens ins Bild passt in diesem Zusammenhang übrigens der jüngste verbale Aussetzer unseres Nationalmannschaftskapitäns Michael Ballack, der es als eine Art persönliche Beleidigung empfand, als Fußballer die Nationale Antidoping-Agentur (NADA) künftig regelmäßig über seinen Aufenthaltsort zu informieren. Ein zugebenermaßen lästiges, im Kampf gegen Leistungs-Manipulation allerdings unabdingbares Mittel, das in anderen Sportbereichen selbst für lupenreine Amateure längst zum Alltag gehört. Oder wird im Fußball als einziger Sportart tatsächlich nicht zu leistungsfördernden Mitteln gegriffen? Beim jüngsten 45-Minuten-Auftritt von Noch-Bayer Lukas Podolski gegen seinen Kölner Stammverein (1:2) hätte man es fast glauben können. 

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hans 02/24/2009 21:45

also beim thema doping blick ich kaum noch durch!
die presse (ohnehin über jeden makel erhaben) ist das sauberste, was man/frau sich vorstellen kann! ehrlich!
die chemieinstitute lechtzen nach aufträgen für komplizierte untersuchungen - die auch richtig viel geld bringen ...
die verbandsfunktionäre wollen medallien oder meisterschaften (möglichst sauber ...)
die sportlerInnen müssen sich die irresten kontrollen gefallen lassen (also ich würd dabei passen!)
trotzdem würd ich dem herrn rangnik den rat geben, den ball flach zu halten .... sonst wird aus dem ball ein bumerang!
frei nach dem motto: es kommt der tag, da will die regel regeln!!!
das könnte ja die einjahressperre sein!
wär ein fall von dopingwahnsinn!
nix genommen, aber voll geregelt!
die welt wird immer verrückter!

prost (ist weintrinken doping?)

(klar, gegen doping bin ich auch ... aber wer ist das nicht???)

ON 02/24/2009 19:43

Lieber Motz Dr.

ich werde den Verdacht nicht los daß es in Hoffenheim nicht wirklich um die Wichtigkeit der Dopingproben im Fußball ging sondern vielmehr um Kompetenzgerangel und Wichtigtuerei von Fuktionären und derer Kommissionen. Laut Aussage vieler Bundesligaprofis ist es nicht unüblich nach dem Spiel sich in der Kabine umzuziehen und dann zur Dopingprobe zu erscheinen. Der Kontrolleur muß die Spieler dabei nur im Blickfeld haben. Ich frage mich also, WARUM JETZT ? WARUM HOFFENHEIM ?
Die Entlohnung gegen Aufwand ins Feld zu führen ist für mich typisch deutscher spießiger Neid. Ich zumindest möchte mir nicht Anmaßen zu beurteilen wie intensiv man trainieren muß um in einer der stärksten Ligen der Welt bestehen zu können.

Gruß aus dem Westend

Knut 02/24/2009 18:35

Es geht hier nicht darum, den Fussballern das Doping zu erlauben, Doping im Fussball zu dulden oder ähnliches. Doping ist absolut verwerflich und muss bestraft werden. Ich finde nur die Strafe für 10 Minuten zu spät kommen nicht angemessen, wenn sie denn so durchgesetzt wird. Eine Sperre für 2-3 Monate hingegen würde auch genügen um ein Zeichen zu setzen. Das Ganze natürlich in Anbetracht der Tatsache, dass die Proben beide negativ waren.
Und zurück zur 90-Tage-Vorhersage wer wo ist gegenüber der NADA. Prävention ja, aber alles mit Maß und Ziel. Wer gedanklich zwischen den Zeilen liest, wird merken, dass es hier möglich ist, einen Spieler zu sperren, wenn er ohne eigenes Verschulden Änderungen nicht bekannt geben kann. Das Ganze ist ja nicht nur im Fussball so. Ich finde das halt ein bißchen überzogen.

Dr. Motz 02/24/2009 18:07

Lieber Knut,

es bricht mir fast das Herz, wenn ich sehe, wie deines für die Balltreter-Gilde schlägt. Aber muss man dieser deswegen wirklich mehr Rechte und weniger Pflichten im Kampf gegen Doping einräumen als jedem x-beliebigen Amateursportler? Ich will hier gar nicht auf die unterschiedlichen Entlohnungen eingehen, aber Aufwand und Erlös stehen leider in krassem Gegensatz. Für einen fünfstelligen Stundenlohn sollte das "lästige" Nachsitzen zu verkraften sein.

Viele Grüße aus Rheinhessen nach Sachsenhausen,

Dr. Motz

Knut 02/24/2009 17:25

Lieber Dr. Motz!

Mit Sicherheit stimmt es, dass man am DFB-Mindeststrafmaß bei Doping-Mißbrauch nicht rütteln soll. Doch ist es ein Mißbrauch, wenn ich 10 Minuten zu spät zur Kontrolle erscheine`? Welttorhüter Oliver Kahn betitelte es mal als lästig, wenn einem der Herr Doktor beim Pipi machen zuschaut und dann noch mault, warum es so lange dauern würde. Diese Seite sollte man auch verstehen.
Richtig ist, dass Fussballer bei ihrer sehr hohen Arbeitszeit in der Lage sein sollten bei solchen Terminen pünktlich zu sein. Aber hier sollte man vielleicht mit mehr Fingerspitzengefühl vorgehen.
Zum Kommentar von Michael Ballack kann ich nur sagen, dass er recht hat. Es dreht sich schließlich nicht um die nächste Woche, sondern um die nächsten 90! Tage. Also, lieber Dr. Motz, wo bist du denn die nächsten 90 Tage?

Gruß aus dem OT Sachsenhausen

Knut