Der Papst, die Piusbrüder, der Holocaust und überhaupt...

Veröffentlicht auf von Dirk Würtz

Das Thema läßt mich nicht los und beschäftigt mich doch sehr. Ich bin nun einmal katholisch, aus Überzeugung, deswegen ist das wahrscheinlich auch so. Ich überlege hin und her, vor und zurück, und komme zu keinem finalen Schluß. Was treibt unseren Papst denn in dieser Geschichte an. War er wirklich einfach nur schlecht beraten, oder informiert? Mittlerweile glaube ich, dass er sich gar nicht so sehr viele Gedanken um den politischen Aspekt gemacht hat. Wahrscheinlich wollte er wirklich nur die "Schäfchen" zurückholen. Es würde auch in sein durch und durch theoretisch klerikales Denken passen. Vielleicht braucht er in seinem Beraterstab einfach nur mal einen mit Kontakt zur realen und zur irrealen politischen Welt. Eines muss ich allerdings kritisch anmerken. Etwas dass mir doch irgendwie schlecht aufstößt. Mir kommt es manchmal so vor, als hätten einige nur auf einen derartigen Lapsus gewartet um zum Generalangriff zu blasen. Was da teilweise an Kritik auf den Papst einschlägt, steht weit jenseits der Grenzen des guten Geschmack. Auf einmal wird er unterschwellig zum Antisemit  gemacht. Frei nach dem Motto:"Wir wussten es ja schon immer". Hatte nicht die englische "SUN" den Papst nach seiner Wahl als Hitlerjunge gezeigt? Hat sich da nicht das ganze Land darüber aufgeregt? Machen wir das hier jetzt genauso? Das kann ja wohl nicht wahr sein. In allen Medien findet der Abgesang auf Benedikt statt. Sein Pontifikat wird jetzt schon zur allgemeinen katholischen Katastrophe erklärt. Ich wäre doch stark dafür, wieder zu einer sachlichen Art der Kritik zurückzukommen. Das Kind ist in den Brunnen gefallen, jetzt gilt es der Welt zu zeigen, dass wir Katholiken eben keine erzkonservativen, antisemitischen und ewiggestrigen Vollidioten sind. Das ist doch viel spannender!

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hans 02/10/2009 21:55

also ich glaub .....
dass der liebe benedikt den steillpass auf rechtsaussen nicht wirklich blind gespielt hat. dazu kennt er - als ehemaliger inquisitor - seine schäfchen doch zu gut.
also ich glaub ....
dass dem benedikt das zweite vatikanische konzil entweder ein stück zu weit gegangen ist oder er gern den 'traditionalistischen' flügel kultivieren möchte.
ein seltsames spiel, das er da treibt!
ich bin nicht mehr katholisch und recht glücklich dabei.
(mit einem schluck messwein ist es da nicht getan) prost

Biene 02/10/2009 16:55

Ich gebe dir, Dirk, zu 100% recht! Ich hoffe nur, dass Benedikt XVI. aus dem Vorgang mitnimmt, dass er als Papst eben nicht nur ein Klerikaler ist, sondern eine nicht unerhebliche politische Gestaltungsmacht und -verantwortung hat und seine lehrstuhlorientierte Welt und Sicht durch einen enstprechend in der strategischen / fachlichen Breite aufgestellten Beraterstab erweitern sollte. Sich in solcher Position nur mit Gleichgesinnten bzw. mit in gleichen Schwerpunkten Denkenden zu umgeben bzw. nur deren Voten wirklich zu hören mag zwar im ersten Schritt angenehm sein, bringt aber allzu häufig fatale Folgen mit sich und ist ziemlich unklug.

Christian 02/10/2009 12:02

Die ganze Situation ist etwas aus den Fugen geraten. Ich bin auch Katholisch und ich muss sagen, wenn man das Ganze aus der Sicht der Christen beurteilt, dann ist die Entscheidung eigentlich schon richtig. Denn Gott vergibt ja jedem wenn er Reue zeigt. Allerdings sollte man halt in der heutigen Zeit schon vorsichtig sein mit solchen Aktionen. Schade finde ich es, dass sie ihn so nieder machen. Denn ich glaube auch nicht, dass er wirklich gewusst hat, dass dies so ausarten wird.