EU-Weinmarktordnung

Veröffentlicht auf von Dirk Würtz

Am 1. August 2009 tritt die neue EU-Weinmarktordnung in Kraft. Jetzt fragt sich natürlich jeder Konsument, was ist das, interessiert mich das, brauch ich das? Die Antwort ist relativ einfach: Ja, ja und ja! In dieser Weinmarktordnung sind gravierende Änderungen vorgesehen. So ist zum Beispiel die mithin wichtigste Regelung dieser Weinmarktsordnung die mehr oder minder Abkehr vom bisherigen Qualitätsweinprinzips hin zu einer Art garantierten Ursprungsbezeichnung. Das ist meiner Meinung nach schon lange fällig. In Deutschland wird, wie in keinem anderen Weinbauland der Welt, die Qualitätsbezeichnung des Weines am Zuckergehalt der Traube festgemacht. Das ist absurd, denn ein hoher Zuckergehalt der Traube sagt noch gar nichts über die Qualität des Weines aus. Im Gegenteil. Wieviel Imageschaden haben all die grauenvollen "Spät- und Auslesen" angerichtet, die in den vergangenen Jahrzehnten den Markt überschwemmt haben. Jetzt wäre die Chance da, eine Art Appelationssystem einzuführen, wie es fast überall in Europa Standart ist. Das würde auch dem Verbraucher helfen durch das Dickicht der Weinbezeichnungen zu sehen. Natürlich steht das im Widerspruch zur deutschen Weinkultur. Aber manchmal muss man sich von Dingen trennen können um weiter zu kommen. Wenn man sich im Übrigen die Weine ansieht, die im In- und Ausland auf dem Markt erfolgreich sind, so sind das größtenteils die "normalen" Qualitätsweine und eben nicht die Kabinett-, Spätlese- oder "sonstwieauchimmerprädikatsweine". Je einfacher die Bezeichnung, umso besser. Ein weiterer wichtiger Punkt der Weinmarktordnung ist die Freigabe der Pflanzrechte. Bisher brauchte man diese zwingend, um einen Weinberg bepfanzen zu dürfen. Das soll wegfallen. Das würde bedeuten, dass künftig jedes "weinbergwürdige" Areal mit Reben bestockt werden dürfte. Das ist natürlich kritisch. Einerseits sind diese Pflanzrechte ein Anachronismus, noch dazu ein teurer, denn es wird mitunter ein schwunghafter Handel mit diesen Rechten getrieben. Andererseits sind diese Rechte auch eine Art Schutz. Bei einem Wegfallen dieser "Vorschrift" steht zu befürchten, dass jeder Acker künftig bepflanzt wird. Ich glaube zwar an die Vernunft der Winzer, aber irgendwie dann doch nicht so hundertprozentig.

Veröffentlicht in Wein und Politik

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Martin 02/02/2011 18:44


Aus der Sicht der Winzer ist das Wegfallen des Anbaustopps sehr bedenklich. Es wird dadurch möglich überall Reben zu pflanzen, auch auf Äckern, die nicht gerade für gute Qualitäten bekannt sind.
Momentan begrenzt sich der Weinbau in DE auf Steillagen und weinbaulich ausgewiesene Flächen, zukünftig im Flachen, wo Maschineneinsatz einfacher ist. Die Steilen, guten Lagen können dadurch nicht
mehr bewirtschaftet werden, es rechent sich einfach nicht. Aber nicht Winzer pflanzen die neuen Reben, den seit neustem machen sich Investoren breit, suchen mögliche Rebflächen.
Aber warum will die Eu mehr Wein produziert ?

-In Europa besteht schon jetzt ein überangebot.
-Tausende Kleinbetriebe mit geringer Fläche werden unrentabel, Winzer schwimmen dann irgendwo am Existenzminimum.
-Ackerfläche zum produzieren von Nahrungsmittel werden zur Weinprodukion verwendet, Steillagen verwildern... eine Kathastrophe für viele Erholungsgebiete
- Qualitäten gehen verloren

Es ist einfach nicht nachvollziehbar.


Dorothea 01/28/2009 11:07

Ich bin ein Konsument und ich frage mich schon, ob es auf mich und auf meine Weinvorliebe eine Auswirkung hat. Ich habe den Beitrag jetzt gelesen aber genau weiß ich immer noch nicht was jetzt auf mich zukommt. Kann mir jemand mal kurz in ein paar Sätzen sagen, auf was ich denn ab dem 1.August aufpassen muss wenn ich Wein kaufe. Ich trinke gerne ein Glas zum Essen usw. Darum wäre es mir schon wichtig, dass der Tropfen auch schmeckt.

Alexander 01/27/2009 15:21

Nur leider ist es so, daß weder der Zuckergehalt der Trauben noch der Ort, an dem die Trauben wachsen, etwas über die Qualität des Weins aussagt: Zu recht vergammeln viele Barolo und Brunello in den Supermarktregalen und nicht bei wenigen Crus stehen Preis und Qualität in keinem Verhältnis!! Um den Pudding zu prüfen - wie ein englisches Sprichwort sagt - gibt es nur einen einzigen Weg: Man muß ihn essen (i.e. trinken)!

Harald 01/26/2009 18:00

Als Chance begreifen: Richtig. Die Weichen für die Zukunft stellen und etwas neues gestalten. Ich laß mich mal überraschen, was die Politik bastelt und wie ich das umsetzen kann/werde.

Iris 01/26/2009 17:54

Aus Sicht einer Kleinwinzerin in Frankreich kann ich mich über den Wegfall der Pflanzrechte in einigen Jahren nur freuen. Hier verhindern diese Bestimmungen nämlich, dass man - auch und gerade in qualitativ hochwertigen Lagen - neue Weinberge anlegen kann, wenn man nicht mindestens schon 6 ha Rebfläche sein eigen nennt. Den Sinn solcher Bestimmungen habe ich nie begriffen - uns haben sie aber von Anfang an das Leben schwer gemacht und eine sinnvolle Ausweitung unserer Stelhanglagen verhindert.

Was die Einführung der Herkunftsbezeichnungen angeht: da gibt es eine angeregte Diskussion unter Frankreichs AOC-Winzern, die sich immer häufiger in der Situation befinden, dass ihre besten Weine von den für die jährliche Anerkennung verantwortkichen örtlichen Kommissionen mit häufig recht pauschalen, nicht nachvollziehbaren Argumenten als "untypisch für das Herkunftsgebiet" eingestuft werden und dann als Tafelweine auf den Markt kommen. ...

Ob ein umfangreiches System von Herkunftsbezeichnungen, das eben wieder über die Qualität der einzelnen Weine wenig aussagt, mit all den verwirrenden Bezeichnungen, wie sie inzwischen hier in Frankreich existieren, dem Käufer mehr Orientierung und Transparenz bietet, möchte ich auch bezweiflen.