Hart aber fair...

Veröffentlicht auf von Dirk Würtz

...so hieß die Sendung, die gestern Abend um 21:45 Uhr in der ARD gezeigt wurde. Das Thema war prekär: “Blutige Trümmer in Gaza - wie weit geht unsere Solidarität mit Israel?”. Normalerweise schaue ich mir solche Sendungen nur selten an, da mich das Thema aber doch sehr interessiert und ich einen der geladenen Studiogäste persönlich ganz gut kenne, habe ich es doch getan. Ich muss sagen, ich habe es nicht bereut. Das Ganze war sehr kurzweilig und extrem aufschlußreich. Die Zusammenstellung der Gäste konnte provokativer kaum gewählt sein. Ulrich Kienzle, früher Korrespondent der ARD im Nahen Osten. Norbert Blüm, Ex-Minister unter Kohl. Udo Steinbach, wahrlich kein Sympathisant des Staates Israel. Der ehemalige Botschafter Deutschlands in Israel und Michel Friedmann. Letzerer war offenkundig als "Feindbild" auserkoren. Besonders Blüm ereiferte sich über die angeblichen Greueltaten der Israelis und hat bis zum Ende der Sendung nicht begriffen, dass Friedmann kein Israeli sondern deutscher Staatsbürger ist. Es hat sich im Verlauf der Sendung gezeigt, dass dieses Thema kaum sachlich in unserem Land zu diskutieren ist. Immer wieder wurde es sehr laut und der Moderator musste mehrfach einschreiten. Für mich hatte das Ganze einen sehr unangenehmen Beigeschmack. Mir kommt es so vor, als würden die Kritiker Israels ihre Kritik nur anbringen, um zu zeigen, dass die Juden doch eigentlich ganz böse sind. Ich habe einen latenten Antisemitismus im Verlauf der gesamten Sendung wahrgenommen. Das, muss ich sagen, erschreckt mich doch sehr!
Hier eine sehr gute Reaktion der FAZ auf die gestrige Sendung.

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ON 01/22/2009 18:03

Ich war voller Erwartung in Hinsicht auf das angekündigte Thema und der Gäste zur Sendung - Hart aber Fair -. Aber was ich da sah und hörte macht mich nur noch ratloser. Wenn nicht einmal eine Handvoll Ex-Minister, Ex-Botschafter, Journalisten und Islamwissenschaftler grundlegende Tatsachen akzeptieren können und versuchen die Geschichte der Völker in Israel und Palästina nur partiell zu betrachten.Wie sollen denn erst diese Völker, die ständigen Selbstmordattentaten, Raketenangriffen und Militäreinsetzen gegen die Zivilbevölkerung ausgesetzt sind zu einer Lösung dieses Konfliktes kommen?

Spezi 01/22/2009 17:18

Ich glaube, da haben Sie eine falsche Sendung gesehen. Herr Friedman ist (wieder einmal) durch arrogante, laute und deplazierte Äußerungen aufgefallen und hat sich nahezu selbst disqualifiziert. Dass manche Äußerungen der Herren Blüm und Steinbach auch nicht gerade qualifiziert waren, ändert aber nichts an der Tatsache, dass Herr Friedman mit Polemik versucht hat, einseitig die Palestinenser für die Kriegshandlungen im Nahen Osten verantwortlich zu machen und jedwede Kritik an Israel nicht zulassen wollte.
Die Erinnerung an die Geschichte Israels, eines künstlich geschaffenen Staates auf fremdem Territorium und zu Lasten der dort lebenden Völker - die eigentliche Ursache für die Unruhen - ließ Herr Friedman gerne unter den Tisch fallen.
Natürlich ist islamistischer Terror gegen das Volk Israel falsch. Genauso falsch ist aber auch ein Krieg gegen die Zivilbevölkerung. In diesem Streit sind beide Seiten Täter und Opfer zugleich.

Dirk Würtz 01/23/2009 10:52


Krieg ist immer falsch, grausam und schlecht. Das Herr Friedmann sicherlich nicht der beliebteste im Lande ist, habe ich auch schon gemerkt. Was allerdings nichts an der Tatsache ändert, das ich
ihn mag. Man muß ersteinmal die Courage aufbringen sich in eine solche Sendung zu setzen, bei der von Ánfang an klar ist, dass man als "Feindbild" eingeladen ist. Laut wurde er erst, als die Herren
Steinbach, Blüm und Kienzle laut wurden. Gerade letzterer war da doch sehr eifrig.


Mario Scheuermann 01/22/2009 12:41

Von wegen latent! Bei Hamas-Sympathisant Udo Steinbach trat der ziemlich offen zu Tage. Das Schlimme daran ist, dass er das nicht mal realisiert und sich für einen Gutmenschen hält. Bei "Nobi" Blüm glaube ich dagegen eher an beginnende Senilität.