Neues aus Dornfeld

Veröffentlicht auf von Dirk Würtz

Unter diesem doch etwas merkwürdig anmutenden Motto, war ich gestern Abend zu einer Probe in einen kleinen, aber feinen Weinkeller in Harxheim in der Nähe von Mainz eingeladen. Zum Glück erwies sich das Motto einfach nur als Scherz.... Mein Freund Michael Gmall, ausgewiesener Südafrikafreund und -kenner, hatte zu einer interessanten und im Nachhinein denkwürdigen Weinprobe geladen. Zehn Rotweine aus Südafrika, allesamt Bordeaux Blends standen zur Verkostung und ich muss gestehen, ich war mehr als skeptisch. Die Weine waren zum Teil fast 20 Jahre alt und meine Skepsis bezüglich der Trinkbarkeit doch enorm hoch. Lange Rede kurzer Sinn. Die Weine waren beeindruckend, teilweise sogar noch viel zu jung. So kam es, dass ich mir zum ersten Mal seit Jahren wieder Notizen auf einer Weinprobe gemacht habe. Normalerweise halte ich das für überflüssig. Hier die Details:
1989 Rozendal- rubinrot mit leicht braunen Reflexen, süße Kirschen im Duft, ein Hauch von Tabak und Ziegenstall (klingt merkwürdig, ich weiss...). Im Geschmack eine feine Kirschfrucht und eine animierende Säure, mittlere Abgang. Keinerlei Alterserscheinungen. Macht Spaß. 89/100
1989 Meerlust Rubicon- helles, an Pinot erinnerndes rot, kaum bräunliche Reflexe. Im Geruch eine Explosion von Tabak, reifen Kirschen, Kaffee und Filz. Riecht schon wie ein Extraktmonster. Der Geschmack enttäuschte mich zunächst ein wenig. Die Gerbstoffe  waren leicht grün, die Säure dominant. Nach einer Stunde im Glas war das allerdings komplett anders. Feinste Frucht von roten Beeren und gaaaaanz laaaaaang. Toll! 91/100
1990 Rustenberg Gold- extrem helles rot. Im Geruch zunächst schwer definierbar, später entdeckte ich einn Hauch von Brombeere und Tabak. Die Säure war eher dominant, hat aber gar nicht gestört. Alles in allem, mit 12% Alkohol, ein netter Trinkwein. 83/100
1991 Kanonkop Paul Sauer- dunkles rot, fast blickdicht. Hochkonzentrierte schwarze Beeren, ein Hauch von Vanille und Schattenmorellen. Im Geschmack extrem konzentriert, Tabak und Karamel, leicht rauchig mit kräftigen Taninen. Riesenpotenzial! den zu trinken war eigentlich noch Babymord. Im leeren Glas stand der Geruch über eine halbe Stunde wie eine Wand. 92/100
1991 Beyerskloof- tiefdunkelrot. Ein Medizinalton, wie ich ihn eigentlich nur aus Australien kenne. Eukalyptus pur! Im Geschmack eine Hauch vón Vanille und Brombeermarmelade. Kräftiger Kandidat, etwas für Drucktrinker. Eigentlich auch noch zu jung. 88/100
1991 Fairviev Charles Gerard Reserve- Schmeckt und riecht nach Minze und Abwasserkanal. Sehr eigenartige Mischung, überhaupt ein sehr eigenwilliger Wein. Muss man mögen...
1992 Delheim Grand Reserve- helles rot mit leichten braunen Reflexen. Zart vanillig und rauchig im Geruch. Im geschmack adstringierend und eher unreif. Heftige Säure. 82/100
1994 Mulderbosch Faithful Hound - sehr helles rot. Riecht extrem nach Teer. Im geschmack sehr verschlossen und dicht. Schwer einzuschätzen dieser Wein. Ihn zu trinken macht aber trotzdem Spaß. 86/100
1994 Rozendal - Sehr zurückhaltender eher stumpfer und undefinierter Wein. Macht keinen Spaß.

Nach einer derartigen Probe ist natürlich kaum noch einer nüchtern, und wenn ich schon einmal in einem Weinkeller sitze, dann schaue ich mich natürlich um. Und was mußte ich entdecken? Mouton, Latour, Cheval Blanc und Kollegen. Nach einer kurzen, aber eindringlichen Penetrationphase konnte ich den Gastgeber und seinen Kollegen dann auch relativ schnell begeistern zwei weitere Flaschen zu öffnen. 1989 Mouton und 1992 Latour. Der Mouton war so, wie ein Mouton sein muss. Minze, Lakritze, ein Hauch von Nüssen. Kaffee, Röstaromen, ein wahres Sträußchen voller Gerüche und Geschmäcker. Natürlich auch noch viel zu jung, aber was solls. Irgendwann muss man das Zeug ja mal trinken. 91/100. Der Latour, aus dem angeblich so schlechten Jahr 1992 war eine Offenbarung. "Kleines Jahr, großer Latour" So habe ich es einmal gelernt, und so ist es wohl auch. Ein hochkonzentrierter und dennoch eleganter Wein. Der trotz seiner leicht animalischen Art unglaublich süffig ist. Meine Empfehlung: Kistenweise trinken. Besser geht es kaum noch. 95/100. Zum Abschluss gab es noch einen 1990 La Croix de Gays. der war irgendwie o.k.. Den hätten wir uns aber auch sparen können. Ein Colaschoppen zum Schluß hätte es auch getan...
Wie auch immer, ein toller Abend, grandiose Weine. Ich habe wieder einmal etwas gelernt: Niemals das Potenzial von Weinen aus Südafrika unterschätzen. Vielen Dank lieber Michael und lieber Ottmar. Der eine sah übrigens hinterher so aus:

Der andere so:

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