E-Mail an Merkel

Veröffentlicht auf von Dirk Würtz

Da wir ja bekanntlich in einer Demokratie leben und ich einfach nicht mehr anders konnte, habe ich heute unserer Bundeskanzlerin eine E-Mail geschickt. Um meinem angestauten Unmut ein wenig Luft zu verschaffen. Mal sehen ob da überhaupt einer drauf reagiert. Hier der Wortlaut:



Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

ich kann mittlerweile nicht mehr umhin, Ihnen in einigen Zeilen meine momentane Gefühlslage bezüglich all der unschönen Dinge in der jüngsten Vergangenheit mitzuteilen. Wohlwissend, dass diese Zeilen Sie wahrscheinlich niemals persönlich erreichen.Das macht aber nichts, ich will und muss meine Gedanken niederschreiben. Schließlich leben wir in einer Demokratie, in der das Recht auf eine eigene, mitzuteilende Meinung ein hohes Gut darstellt. Die weltweite Wirtschaftskrise mit all ihren Auswirkungen trifft uns alle wie ein sehr kräftige Schlag ins Gesicht. Sie als Kanzlerin, und all Ihre Minister, sind gefordert die Krise so gut es geht zu managen, um den größten Schaden von unserem Land und für uns Bürger fernzuhalten. Nebenbei bemerkt wollte ich nicht mit Ihnen tauschen. Insofern bin ich doch leidlich zufrieden mit Ihrer momentanen Arbeit. Was mich allerdings langsam aber sicher unglaublich stört ist, dass wir, der gemeine Steuerzahler, mit unseren Steuergeldern, die Rechnung bezahlen. Jahrelanges offensichtliches Missmanagement, unsägliche Gier und eine "Uns-kann-keiner-was" Mentalität der "Wirtschaftslenker" haben uns in diese Situation gesteuert. Ich sehe und lese keine Reue, keine Entschuldigung, kein Eingeständnis eines Fehlers. Im Gegenteil: Staatliche Hilfe wird wie selbstverständlich gefordert und in Anspruch genommen. Niemand dieser herrschaften wird zur Rechenschaft gezogen. Ganz anders sogar, teilweise auch noch belohnt. Wieso darf die Commerzbank die staatliche Hilfe zur Finanzierung der Dresdner Bank Übernahme benutzen? Um nur mal ein Beispiel zu nennen. Warum müssen wir die Verluste von GM finanzieren? Natürlich finde ich es richtig 70.000 Arbitsplätze zu retten, aber was ist die Gegenleistung? Mir erschließt sich das alles nicht mehr. Sobald es diesen Firmen wieder besser geht, werden sie von alledem nichts mehr wissen wollen.
Ich produziere hier in Rheinhessen seit Jahren Wein. Bekomme ich auch eine Bürgschaft, wenn ich einen oder zwei Jahrgänge "in den Sand setze"? Wohl kaum. Steigt dann auch der Staat bei mir ein? Immerhin geht es auch hier um Arbeitsplätze. Ich befürchte das wird leider keinen interessieren.
Selbstverständlich habe auch ich kein Patentrezept zur Krisenlösung. Aber einen Vorschlag hätte ich. Hören Sie doch einmal auch die kleinen und ganz kleinen Selbstständigen an, quasi den unteren Rand des Mittelstandes. Die hätten sicherlich auch einiges zu den aktuellen Themen zu sagen. Vorschläge zu machen, was man besser oder anders machen könnte. Diese Leute denken nämlich oftmals wesentlich globaler und praxisorientierter als so mancher Vorstandsvorsitzende. Letztere denken leider meistens nur an sich.

Mit freundlichen Grüßen

Dirk Würtz

Veröffentlicht in kein Wein

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Schröder 07/10/2009 21:09

Ich kann diesen Unmut nur teilen und finde das E-mail gut formuliert. Nur eine Frage: Wenn der Staat (also wir) anteilsmäßig in Unternehmen (jetzt sogar schon Quelle) einsteigt, dann müssten wir ja auch, falls sich das Unternehmen "rappelt" von den Gewinnen mitprofitieren, oder? Aber ein "Staat" darf doch eigentlich keine Gewinne machen, oder?
Die ganze Situation, nämlich dass ein paar Arbeitsplätze gerettet werden, anstatt neue Arbeitsplätze zu erschließen, Kleinunternehmer zu stärken etc., und Missmanagement daher völlig risikolos wird, das ist mir unverständlich!?

Meine kleine Familie überlegt sich jedes Stück Brot und jeden Liter Milch, den wir kaufen. Wir fahren nicht auf Urlaub und denken nicht daran, woanders als bei Kik Klamotten zu kaufen, obwohl mein Mann und ich arbeiten gehen und wie alle heutzutage für zwei arbeiten, weil jedes Personal wegrationalisiert wird.
Wir haben bis vor kurzem Kinderzuschlag für unseren 3jährigen Sohn bekommen. Plötzlich stellt das Amt fest, dass uns das Geld (läppische 70 eus zusätzlich) doch nicht zustehe und wir mit einem Schlag 450 euro zurück zu zahlen hätten.
ich versteh die welt nicht mehr. ich dachte, ich hätte alles richtig gemacht: gute schulnoten, studiert, war stets in arbeit und was man so unter "fleissig" versteht und jetzt kämpfe ich vor mich hin, knapp an der Armutsgrenze mit keiner Aussicht auf Besserung. Im Gegenteil: Burnout und Nervenzusammenbruch (wie bei sämtlichen Kollegen) stehen am Zukunftshorizont.... bzw. sind schon da.
Irgendwas stimmt hier einfach nicht mehr!

Ich kann nur sagen: Gut und treffend formuliert! Vielen Dank.

Svjetlana Simic 12/02/2008 15:54

Ich bin gespannt auf Antworten jeglicher Art, ich hoffe doch, die werden gebloggt werden? Nehmen Sie es mir nicht böse, aber vielleicht sollten Sie in Zukunft vor dem Abschicken (sollte das auch die endgültige Version gewesen sein) von Mails sie zunächst gegenlesen lassen - grammatikalisch und rechtschreibungstechnisch einwandfreie Mails nimmt man eher ernst als gegenteilige.

MfG, Svjetlana S.

Joachim 12/01/2008 18:39

Hi Dirk,

das hat mir doch dann keine Ruhe gelassen, seit dem Du mir gestern erzählt hast, Du hättest der Frau Bundeskanzler gemailt. :-) Zu finanziellen, haushaltspolitischen Fragen, der auch antwortet (oder sein Büro) kann ich Dir den Haushaltsexperten der CDU Herrn Kampeter empfehlen. Beste Grüße :-)

Dirk WÃ1/4rtz 12/03/2008 18:14


Ja dann schrerib ihm doch mal....


hans 11/20/2008 19:52

ach - seufz,
wenn die tabalobby das antirauchergesetz schreibt und der bundestagsausschuss dies als gesetzesvorlage (inclusive tippfehler) einreicht (wobei sich anschließend feststellen lies, das der bundestagsausschuss gar nicht zuständig ist) ....
wenn in brüssel bei der europäischen kommission 25 000 beamte arbeiten und etwa die gleiche menge ständiger lobbiisten vor ort ist ....
dann ist das ergebnis wirklich verwirrend .....

aber:

war da nicht der traum vom aufgeklärten absolutismus ......
ach war es in dessau einst schön, wo der fürst den preußen ein paar millionen schickte, damit seine untertan nicht in den krieg ziehen mussten. dafür machte er einen park, der offen für jedermann und jederfrau war (und heute als weltkulturerbe immer noch ist!)

achja .....

Biene 11/19/2008 17:54

Dem kann ich mich nur anschließen. Spätestens in Krisenfällen / -zeiten fällt die politische Schiene, gleich, welche Herausforderung es zu bestehen gilt, gleich, welche Couleur gefragt ist, gleich, auf welcher Ebene wir uns bewegen, in dieselben nahezu standardisierten Handlungsmuster zurück. Eine das Gesamte im Blick behaltende individuelle und strategische, langfristige Schwerpunkte setzende bzw. verfolgende Reflektion und Handlungsleitung ist jedenfalls für mich kaum bis nicht (mehr) erkennbar. Alles, so erscheint es mir zumindest, auf kurzfristige, vordergründige Erfolge ausgelegt zu sein. Frei nach dem Motto: Wenn ich drei Schmerztabletten einwerfe, ist der Kopfschmerz weg. Auf die manchmal schwierige, aufwändige und langfristige Ursachensuche und den Versuch, die Ursache dann mühsam zu beseitigen, verzichten wir und nehmen lieber eine Dauerschädigung durch den fortlaufenden Gifteinsatz in Kauf. Der Patient wird mich nicht dafür lieben, wenn ich bis zu einem ersten kleinen sichtbaren Erfolg lange an ihm 'rumdoktoren muss.