Stern vs. Rodenstock

Veröffentlicht auf von Dirk Würtz

Der weltweit bekannteste Weinsammler, Hardy Rodenstock, ist in der gestrigen Ausgabe des Hamburger Magazins "STERN", zum zweiten Mal innerhalb von einem Jahr Gegenstand eines großen Artikels. Das Magazin wirft dem Sammler und Weinhändler ganz deutlich und offen Betrug vor. Diese Geschichte ging schon einmal durch den Blätterwald und durch zahlreiche Netzpublikationen. Damals ging es um den Vorwurf gefälschte Flaschen zu verkaufen, heute geht es um die Etiketten, die angeblich gefälscht sein sollen. Starker Tobak, zumal es hier nicht um "unter-fünf-Euro" Weine geht, sondern um Flaschen die viele tausend Euro kosteten und immer noch kosten. Jetzt stellt sich dem geneigten Leser die Frage: "Was interessiert es den Würtz?". Ganz einfach aus zwei Gründen:

1. Ich kenne Hardy Rodenstock persönlich von seinen Proben. Ich hatte schon mehrfach die Gelegenheit an diesen teilnehmen zu dürfen. Aus diesem Grund kann ich einiges zu deren Anläufe sagen. Im aktuellen "STERN" wird beispielsweise aufgeführt, dass das Depot (Ablagerung von Trubstoffen) regelmäßig von Rodenstock wieder eingesammelt wurde. Es entsteht so der Eindruck, dass er diese benutzt hätte um sie wiederum in andere Flaschen zu füllen. Ich habe das ganz anders erlebt. Da gab es am Ende der Probe ein Stück frisch getoastetes Brot und da wurde der Trub draufgeschmiert. Was im Übrigen extrem köstlich war. Auch wird im "Stern" geschrieben, dass die Korken nicht mit dem Korkenzieher aus der Flasche gezogen werden durften, um sie nicht zu beschädigen. Somit könnte man sie theoretisch noch einmal verwenden. Richtig ist es in der Tat, dass man ganz alte Korken, die auseinanderzubrechen drohen, gerne in die Flasche drückt. Später holt man sie dann mit einer sogenannten "Hebamme" wieder raus. Das ist aber die Ausnahme und nicht die Regel. Ich selbst habe bei einer Probe von Hardy Rodenstock eine Magnum 47er Lafleur mitsamt dem Korkenzieher in die Hand gedrückt bekommen. Die kurze Ansage war:"Nehmen Sie das mal zwischen die Beine und ziehen Sie den Korken raus".

2. Eine derartige Berichterstattung, für mich persönlich nah am Rufmord, hat das Potenzial einen enormen Schaden in der gesamten Branche anzurichten. Alter Wein=teuer=Fälschung. Ganz einfache Formel. So wird es kommen. Demnächst werden sich alle Raritätenhändler, vielleicht auch Weingüter, dieser Welt mit derartigen Anschuldigungen konfrontiert sehen.

Als aufmerksamer "STERN" Leser fällt mir auch auf, dass der zweite, nunmehr erschienene Artikel einige Behauptungen aus dem ersten Artikel gar nicht mehr enthält. Warum? Da wurden dann doch wohl schon einige Anwälte und Gerichte bemüht. Der Aufhänger mit den angeblich gefälschten Etiketten ist auch eher schwach. Es wurden und werden schon immer Etiketten nachgedruckt. Gerade wenn es sich um ältere Weine handelt, sind die Etiketten oftmals unleserlich. In vielen Weingütern wird derartiges praktiziert. Sind das dann alles Fälscher?

Ganz genau und ausführlich beschäftigt sich auch der drinktank mit diesem Thema. Unbedingt lesen!

Veröffentlicht in Wein

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Biene 11/18/2008 00:21

Unter anderem wegen des Niveaus, das sich auch hier manifestiert, lese ich keinen Stern - egal, ob gedruckt oder elektronisch.