Die Kritiker

Veröffentlicht auf von Dirk Würtz

Seit dieser Amador Geschichte geht mir das Thema überhaupt nicht mehr aus dem Kopf. Und je mehr ich darüber nachdenke, umso unwohler wird mir dabei. Und das ist noch freundlich ausgedrückt. Mir fallen immer mehr Erlebnisse aus den letzten Jahren ein, die im  Nachhinein, einen schlechten Beigeschmack bekommen. In unserem Metier, Wein, treiben sich mittlerweile Heerscharen von "Kritikern" und "Journalisten" rum. Neuerdings haben ganz normale Menschen noch eine zweite Visitenkarte auf der irgendetwas von Wein, Journalismus und Kritik draufsteht. Geradezu absurd! In diversen Weinforen werden sich Gegenseitig die Punkte um die Ohren gehauen und wehe einer widerspricht, ein unnötiges Buch nach dem anderen erscheint und ich frage mich immer öfter warum und für wen das alles ist. Ich komme langsam aber sicher zu dem Schluß, dass Wein - und meinetwegen auch Essen - sämtliche Profilneurosen weckt. Ich meine das nicht böse, sondern eher reichlich irritiert. Haben diese "Kritiker" noch Spaß an diesen Kulturgütern, oder geht es nur darum sich selbst darzustellen? Man müßte sie mal fragen...
Im Übrigen plädiere ich für eine Eignungsprüfung. wer Auto fahren will braucht einen Führerschein, wer Boot fahren will ebenso. Es gibt Angelscheine, Tauchscheine, Schwimmscheine, Jagdscheine, Sommelierprüfungen und weiss der Teufel was noch alles. Warum gibt es nichts derartiges für einen Kritiker? Oder habe ich das nur verpasst??? So ein klein wenig fundiertes Basiswissen wäre doch gar nicht so falsch. Ich glaube beim Michelin sind die Tester allesamt gelernte Köche. Das macht doch Sinn! Also, sehr geehrter Herr Teuner, auf in die Kochlehre, und dann probieren wir es noch einmal...

Veröffentlicht in Restaurants

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Dominik 03/09/2009 17:15

Hallo Herr Scheuermann Sie mögen vielleicht Recht haben mit Ihrer Meinung. Ich kenne aber auch Winzer die aus diesen Gründen gerne auch Sie und ihr taw Forum auf den Mond schiessen würden. ;-)
Letztendlich profitieren Sie ja auch von diesen Freaks. Der normale Weinkonsument kennt viellleicht Herrn Parker, aber wer bitte kennt Sie ? Das sind die Liebhaber die sich die Zeit nehmen (oder zuviel Zeit haben) und im Internet nach Informationen über Wein suchen.

Mario Scheuermann 10/22/2008 21:28

Um nicht falsch verstanden zu werden: ich habe nichts gegen Amateure, die auf ihren eigenen Blogs ihre Meinung publizieren und sei sie auch noch so hirnverbrannt. Mir geht es nur darum, dass ansonsten professionell gemachte Medien immer häufiger statt von ausgewiesenen Fachleuten - unabhängigen oder festangestellten - von Laien Kritiken schreiben lassen, die letztendlich nicht fachlich und fundiert kritisieren, sondern einfach ihrer Liebhaberei oder ihrer Abneigung freien Lauf lassen. Oder - besonders grenzwertig - damit wirtschaftlich befangene Personen wie Weinhändler beauftragen. Ein anderer häufiger Fall: Praktikanten einzusetzen oder Promis.

Natürlich muss ein Weinkritiker kein Winzer sein und ein Gastrokritiker kein Koch, aber ein gerüttelt Mass an Fachwissen und Erfahrung sollte er schon mitbringen. Warum einer eine Rotzunge von einer Seezunge oder eine Garnele von einem Scampo unterscheiden kann oder weiss, was eine Velouté ist und wie sie gemacht wird, ist egal, er muss es nur wissen, wenn er darüber urteilen will.

Didier 10/22/2008 18:50

Es gibt zuviel Leute mit zuviel Zeit. Und zuviel Möglichkeiten solchen Irrsinn kundzutun. Andererseits suchen viele KöcheWinzerSonstige genau diese Kontakte um auch an die Oberfläche gespült zu werden. Viele profitieren davon - ganz klar. Man kann nur hoffen, das es genügend Leute/Konsumenten gibt die ihr Hirn einschalten und sich an die Arbeit machen um eigene Erfahrungen zu sammeln.

Dirk Würtz 10/22/2008 18:57


Das ist eines der Probleme. Zuviele glauben sie würden von derartiger Kritik profitieren und umgarnen diese Hobbyfreaks...


Lars 10/22/2008 15:27

Da zitiere ich doch erst mal den Duden: "Ein K. ist jemand, der jemanden oder etwas prüfend beurteilt ... diese Eigenschaft wurde ihm weder von seinen Bewunderern noch von seinen K. zuerkannt." Alles klar? Ich finde alle Art der Kritik in Ordnung, die nicht beleidigend ist oder gar gekauft ist. Die jeweilige Kritik eines K. spiegelt letztlich ja auch immer den K.. Der geübte Leser erkennt die Qualität einer Kritik an der Sprache und am Inhalt. So sehe ich nicht wirklich ein Problem an Herrn Teuners Kritiken. Das Niveau des Publikationsorgans sinkt freilich adäquat mit der Qualität der dort veröffentlichten Texte.

Biene 10/22/2008 12:43

So ganz spurlos scheint Herrn Amadors Reaktion an Herrn Teuner nicht vorbei gegangen zu sein. Gestern hat er über Claus-Peter Lumpp geschrieben. Unter der Überschrift "Kraftstrotzender Kerl" leitet die FR ein: "Claus-Peter Lumpp kocht üppig und nicht so filigran wie andere Sterneköche. Unser Kritiker ist begeistert.". Jetzt war ich natürlich gespannt auf Herrn Teuners Begeisterung und las: "[...] Der Abend bei Lumpp [...] war ein Abend mit Stimmungsschwankungen. [...] Nach einer Stunde war ich zunächst enttäuscht. [...] Das Fett kam versteckt in kalten Saucen auf Mayonnaise- oder Sahnebasis. [...] An diesem Punkt jedenfalls drohte die Laune zu kippen, von Lust auf mehr zu Duldungsstarre. [...] Dass ich mich wieder bekrabbelte, lag an den Kellnern, allen voran den beiden Mädels in den netten Dirndln. [...]" Gut, in der Kritik steht auch noch etwas davon, dass Hr. Teuner zum Teil selbst schuld an seinem Zustand war und deutlich anerkennende Worte für Küche und Service kommen auch noch (nicht nur für Mädchen in netten Kleidern). Aber wirklich verstanden hab' ich nicht, was mir der kritiker nun eigentlich sagen will. Vielleicht aber befindet er sich nach dem Disput mit und um Amador und die Qualitäten von Kritikern in einem Lernprozess und ist derzeit schlichtweg ein wenig verunsichert.

Dann wär's ja für etwas gut gewesen (wie alles im Leben!).