Kritik an der Kritik

Veröffentlicht auf von Dirk Würtz

Gerade heute hatte ich die Gelegenheit eine Restaurantkritik in der Frankfurter Rundschau zu lesen. Christof Teuner, Chefmoderator des Fernsehsenders ntv, hat einen heftigen Veriss über Juan Amador in Langen verfasst. Beim lesen dachte ich nur:"Oha, das ist aber heftig und reichlich niveaulos". Teuner, "Gourmetkritiker aus Leidenschaft", teilt gewaltig aus. Die Reaktion kam prompt, und zwar in Form eines offenen Briefes des gescholtenen. Meine Sympathie gehört ganz klar dem Koch. Er hat ja sowas von Recht, mit dem was er sagt. Hobbykritiker sind das letzte was die Welt braucht. Insbesondere wenn sie sich einen Profitouch verleihen und glauben in der Lage zu sein anderer Leute harte Arbeit beurteilen zu können. Ich kenne das. In unserer Branche ist das genauso. Lieber Juan Amador, recht so!
Hier der Veriss und die Antwort

Veröffentlicht in Restaurants

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Biene 10/19/2008 21:44

Ich freue mich immer, wenn destruktive, inkompetente, ungehobelte, Öffentlichkeitswirkung heischende Kritik mit fachlicher Kompetenz gekontert wird (egal, ob es um Essen, Kochen oder sonst'was geht). Und wenn das dann mit einer gewissen Subtilität geschieht, bringt mir das einen besonderen Wohlgeschmack. Im Anfang seines Konters gelingt das Herrn Amador leider nicht. Da merkt man doch arg, dass er sich erst einmal gewaltig die Wut von der Seele schreiben muss (was ja durchaus verständlich ist). Ab da, wo er im Einzelnen Stellung nimmt, wird er aber richtig gut. Am besten: "Warum essen die Gäste fast das Gleiche? - Mit Verlaub Herr Teuner, weil es nur ein Menü gibt:" Sehr schön!!!

Mario Scheuermann 10/19/2008 20:57

Dies ist wirklich eine fatale Fehlentwicklung in der deutschen Medienlandschaft. Immer häufiger beschäftigen selbst seriöse Blätter Amateure als Tester für Weine oder Restaurants. Ich meine das im Sinne des Wortes: Menschen die es lieben zu essen und zu trinken, aber meistens davon keine Ahnung haben sondern nur ihren persönlichen Geschmack. Ich kann habe lange genug als verantwortlicher Redakteur und bald 20 Jahre als Restaurantkritiker gearbeitet um sagen zu können: früher war das nicht so. Kein Mensch wäre auf die Idee gekommen so einen reingeschmeckten TV-Fuzzy die 3-Sterne-Restaurants testen zu lasssen. Damit beauftrage man Klaus Besser, Gerd Paczenski, Günther Schulze Arius, Wolfram Siebeck, Günther Uecker, gestandene Fachleute also mit viel Erfahrung. Ok, die meisten von ihnen weilen nicht mehr unter uns und seriösen Nachwuchs gibt es kaum. Den heranzuziehen hat man versäumt.

Dirk Würtz 10/20/2008 17:31


Lieber Herr Scheuermann, da gebe ich Ihnen uneingeschränkt recht. Es ist geradezu anmaßend, was einige selbsternannte Kritiker sich leisten...