Alkohol-Werbeverbot

Veröffentlicht auf von Dirk Würtz

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Sabine Bätzing (SPD) bläst zum Kampf gegen die Alkoholwerbung. Jetzt könnte mir das eigentlich völlig egal sein, aber da ich nun einmal mein Geld mit Alkohol verdiene tangiert mich das doch. Ich habe mir mal die Mühe gemacht, ihre Argumentation und die von ihr vorgelegten Studien näher zu betrachten. Sehr interessant. Es gibt überhaupt keine deutschen Studien zu dem Thema. Frau Bätzing beruft sich auf amerikanische und niederländische Studien. Inwieweit diese Studien auf unser Land übertragbar sind, sei einmal dahingestellt. Selbstverständlich ist Alkohol eine Droge, das ist klar. Und natürlich muss irgendetwas gegen dieses Koma-Saufen und Flatrate-Trinken der Jungs und Mädels getan werden. Was das alles mit Alkoholwerbung zu tun haben soll, erschließt sich mir noch nicht. Dieses Problem lösst keiner durch Werbeverbote, sondern wenn überhaupt durch Aufklärung und erzieherische Maßnahmen. Das Ganze ist also ein gesellschaftliches Problem und keines der Werbebranche. Da macht es sich die gute Frau Bätzing viel zu einfach. Kann ich natürlich verstehen, schließlich ist die Dame ja eine Politikerin, einerseits. Andererseits hat sie doch sicherlich auch ein Team, dass sie berät. Wenigstens denen sollte doch auffallen, was man da zitiert!
Dieses Problem ist sicherlich so vielschichtig, dass man Heerscharen von Soziologen, Psychologen und was es sonst noch so gibt damit beschäftigen könnte. Per se ist das Thema "sensibler Umgang mit einer Droge (hier: Alkohol)" so oder so schwer. Nicht falsch verstehen jetzt: Wein ist für mich immer noch ein Kulturgut - auch mit Cola ;-)))) Vielleicht sollte man hier schon etwas mehr differenzieren, auch wenn es schwierig wird. Eines steht jedenfalls fest: Durch bloßes und unreflektiertes zitieren aus nicht relevanten Studien, wird man der Sache nicht wirklich gerecht. Und durch verbieten so oder so nicht. Ich weiß, das klingt auch schon wieder so allgemein, aber irgendwie muss ich hier ja die Form waren.
Hier noch mehr Stimmen zu dem Thema:  Frankfurter Rundschau http://drinktank.blogg.de/eintrag.php?id=2515

Veröffentlicht in Wein und Politik

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Karsten 09/15/2008 10:55

Das Problem einer Alkoholwerbung ist eben, das suggeriert wird, ohne Alkohol gibt es kein glückliches Leben. In vielen Werbespots wird aufgezeigt, wie Menschen glücklicher und zufriedener werden können, wenn sie Alkohol trinken.

Ein erster wichtiger Schritt wäre die Nennung der Gefahr zur Alkoholsucht bei jeder Werbung.
Alkohol kann süchtig machen.
Diesen Satz bei jeder Werbung dazu und es wäre mal ein glaubwürdiger Aspekt der Politiker, die ja bisher nur reden und nicht handeln.

Dirk Würtz 09/16/2008 17:51


Hallo Karsten,

da gebe ich Dir völlig recht.


BIENE 09/02/2008 20:23

Politiker hin und ihr (nachvollziehbares) Bedürfnis nach öffentlicher Wahrnehmung her, aber im qualitativen Anspruch liegt diese Auftritt Frau Bätzings nicht wesentlich über der im Sommerloch aufgeschlagenen Erkenntnis, dass das Ü-Ei gefährlich und daher zu verbieten ist.

Dass die von Frau Bätzing zitierten Studien als "wissenschaftlich extrem umstritten" bewertet werden, verwundert nicht. Um nur 'mal kursorisch einen (zu-kurz-)Schluss besagter wissenschaftlicher Arbeit aufzugreifen (die Untersuchungsbedingungen, Auswahl und Repräsentanz der Probandengruppe will ich hier 'mal außen vor lassen):

Jugendliche sind also - so 'mal knapp die wesentlichen Erkenntnisse, die uns hier nahe gelegt werden sollen - besonders empfänglich für Alkoholwerbung, die Jugendliche als Zielgruppe im Visier hat (och, tatsächlich?), und missbrauchen deswegen Alkohol!?! Okay, Frage: Gehen wir einmal davon aus, dass Senioren für Alkoholwerbung, die auf Senioren abzielt, besonders empfänglich sind (solche Werbung ist uns ja durchaus nicht unbekannt). Warum missbrauchen sie dann Alkohol nicht? Oder tun sie's etwa und es spricht nur keiner darüber? Es könnte ja durchaus Erklärungen dafür geben, dass Senioren trotz besagter zielgruppenorientierter Werbung nicht zu Flatratesäufern werden. Z. B. weil viele unter ihnen finanziell so gesattelt sind, dass sie sich Flatrates nicht antun müssen. Oder: Sie sind aus dem Sturm-und-Drang-Alter, das sie in Diskos, Clubs und Kneipen treibt, 'raus und trinken lieber gemütlich zuhause. Oder: Sie saufen sich auch unter den Tisch - es interessiert nur keinen.

Anderer Ansatz: Würde sich Frau Bätzing die Katharsisthese zu eigen machen, müsste sie fordern, dass gerade für Jugendliche Alkoholwerbung gemacht wird - und zwar so richtig eindeutige, bei der Jugendliche sich gewaltig ins Koma saufen. Zugegeben, kein wirklich populärer Ansatz, mit dem sich in einem Positivsaldo Wählerstimmen gewinnen lässt.

Noch ein anderer Ansatz: Greift die ganz überwiegende Mehrheit der Jugendlichen trotz auf der auf Jugendliche abzielenden Alkohlwerbung nur deswegen nicht im Übermaß zum Alkohol, weil sie 'was Besseres zu tun hat, als Alkoholwerbung zu schauen, oder in einem gesunden, positiven Umfeld lebt und keinen Grund hat, mangelnde Geborgenheit mit Alkoholexzessen zu kompensieren bzw. zu betäuben, oder sich nicht mit übermäßigem Saufen beweisen muss, weil sie so aufwachsen durfte und erzogen wurde, dass sie - ganz ohne alkoholische Stärkung - ein gutes, gesundes Selbstbewusstsein hat? Und spätestens damit bin ich an dem Punkt, Dirk recht zu geben: Es geht nicht um das Verbot von irgendwas, sondern darum, Voraussetzungen für einen vernünftigen Umgang zu schaffen. Und da sind, wenn wir über gesellschaftliche Verantwortung reden, nicht nur Eltern und Schule oder sonstige Erziehungsanstalten gefragt.

In diesem Sinne: Prost, Frau Bätzing! Oder trinken Sie zu einem wundervollen Fünfgang-Gourmet-Menu tatsächlich nur Wasser und Apfelsaft, meiden jede Feinschmecker- und Weinzeitung dieser Erde und verbannen Weinversandkataloge in das Geheimregal unter dem Ladentisch?