Ende der mainstream Weine?

Veröffentlicht auf von Dirk Würtz

Eine interessante Meldung gibt es heute auf dem blog von Mario Scheuermann, zum Ende der Mainstream-Weine in den USA. Ein amerikanischer blogger bricht eine Lanze für individuelle und charaktervolle Weine. Zumindest in den USA. Doch wie ist es hier in Deutschland? Einerseits wird immer wieder nach eigenständigen Weinen gerufen, andereseits wird exakt das Gegenteil davon konsumiert. Das ist eigentlich merkwürdig, irgendwie aber auch logisch. Eigenständig und unverwechselbar ist toll und erstrebenswert. Es muss aber auch schmecken. Und zwar ohne große Erklärungen à la "den Wein muss man begreifen und verstehen". Das funktioniert in der Breite nur in den seltensten Fällen. Noch dazu, wenn wichtige Begriffe wie Terroir, Handwerk, Premium und Spitzenwein und irgendwelche Gesteinsnamen geradezu inflationär eingesetzt werden. Gerade der Begriff "Spitzenwein" ist mittlerweile auf dem Weg so labidar und aussagelos zu werden wie der Name einer Großlage. Was ist denn eigentlich ein Spitzenwein und wer macht ihn dazu? Geschicktes Marketing, Journalisten, übereifrige Weinexperten? Ist ein Müller-Thurgau mainstream? Kann das ein Spitzenwein sein? Viele Fragen, ich weiß. Für mich ist ein Spitzenwein schnell definiert: Eine der wichtigsten Punkte ist beispielsweise die Verfügbarkeit. 1.000.000 Flaschen sind zwar quantitativ echt spitze, aber das war es auch schon. Wenn ich einen "Sine Qua Non" (Wein aus den USA) will, wird die Luft schon dünner. Zu Recht, sonst wäre es auch nicht Premium. Und das muss polarisieren und eben nicht jedem schmecken, was der nächste  wesentliche Punkt wäre. Weine die jedem schmecken sind mainstream und eben nicht Premium. Ganz einfach! Da man das Ganze ja aber auch verkaufen will/muss, gibt es natürlich schon die Versuchung, auch das Premiumprodukt wenigstens ein bißchen massentauglich zu machen. Bestes Beispiel hierfür: trockene Spitzenrieslnge aus deutschen Landen.  Obwohl als "trocken" gekennzeichnet, haben sie doch oft eine deutlich schmeckbare "dienliche Süße". Und schon sind wir wieder im Mainstream angekommen. Schwieriges Thema, ich weiß.

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Wolfgang Funck 08/21/2008 15:53

Moin, moin,

auch ich glaube nicht an das Ende von Mainstream schlecht hin. Nicht nur beim Wein (auch z. B. bei der Musik, Literatur, bei Speisen...) gibt es Spitzen und Massen. Nicht jeder liest Arno Schmidt, nicht jeder hört Holy Modal Rounders, nicht jeder liebt Trüffel und Kaviar, nicht jeder liebt beim Wein die edelsüßen Spitzenerzeugnisse oder großen Bordeaux oder Burgunder oder ... Immer wird es Bedarf und auch Angebot für Massen geben (müssen).

Daran kann ich auch nichts Schlimmes erkennen.

Schöne Grüße

Wolfgang

PS.: Viel Erfolg weiter mit diesem Blog, dank an Dirk.

Thomas Fonzen 08/21/2008 15:28

Ende der mainstream Weine?
Nein!
so klar lässt sich denke ich diese Frage beantworten.
Warum auch?
Weine, die vielen schmecken sind doch nichts Schlimmes!
Es ist doch toll, dass es mittlerweile in der Masse Weine gibt, die nicht nur trinkbar, sondern geschmacklich wirklich gut sind.
Genauso toll ist es, dass es immer mehr - meist jungen - Winzern gelingt, neben den Massenprodukten, mit denen ja wohl der schnöde Mammon verdient werden muss, charaktervolle Weine in die Flasche und an den Mann / die Frau zu bringen; auch wenn Zweiteres tatsächlich eher eine Marketingaufgabe zu sein scheint.
Ich finde aber, dass in Deutschland Beides ganz gut gelingt und darüber freue ich mich als Konsument.
Für Spitzenweine hingegen, sofern diese tatsächlich per Definition schlecht verfügbar sein müssen und nicht Jedem schmecken dürfen, könnte ich mich nicht wirklich begeistern.
Zum Glück kann man den Begriff auch anders auslegen.

pivu 08/21/2008 13:08

Warum müssen Spitzenwein (Premium) und Mainstream einander ausschließen? Kann ein sehr guter Wein nicht von Haus aus auch mainstreamig sein, was war zuerst, der Wein oder der Markt? Schwierig, ich weiß.

D'accord bin mit Dir, wenn potenzielle Spitzenweine zu Lasten ihrer Authentizität bewusst mainstreaminger, also konsumentenfreundlicher gestaltet werden. In D nennt man das Große Gewächse ;-) .