Rumänien - 3

Veröffentlicht auf von Dirk Würtz

Es geht also auch anders! Das dachte ich, als wir nach Odobesti (gesprochen:Odobeschd) kamen. Der Ort gehört ebenfalls zum Anbaugebiet Moldawien, liegt allerdings am südlichen Zipfel. Hier hat sich ein Rumäne ein Musterweingut hingestellt. Über 1.5 Mio. Euro wurden investiert. So ist es jedenfalls auf dem Schild, das am Neubau hängt zu lesen. Die Hälfte davon kommt von der EU. Deswegen muss auch ein Schild mit der exakten Summe der Investitionen angebracht werden. Alles blitzt, alles blinkt. Der Mann steht auf High-Tech, und hatte von uns auch schnell seinen Spitznamen weg: Der Stahlbaron. Er war sichtlich stolz auf sein neues Weingut. Zurecht.  Seine anfängliche Zurückhaltung wich mehr und mehr dem Drang uns wirklich alles zu erzählen. Für rumänische Verhältnisse war der Laden wirklich klinisch sauber. Wir pobierten die Weine aus den Tanks. saubere, und fehlerfreie Weine. Ganz ohne Frage technisch einwandfrei. Voller Stolz erzählte er uns von seiner Chemie-Doktorantin, die jeden Tag mehrfach Proben aus allen Segmenten der Tanks entnimmt. Totale Gärkontrolle. Das wäre doch normal, meinte er, internationaler Standart. Er konnte kaum glauben, dass wir so etwas nie machen. Warum auch?!  Als ich ihm erkärte, dass mich derartige Dinge nicht interessieren, hatte ich ein ernsthaftes Glaubwürdigkeitsproblem. Das wurde erst wieder zerstreut, als ich mit ihm gemeinsam die Weine probierte. Er versuchte mich zu testen, quasi zu examinieren. Er suchte alle Weine heraus, die einen leichten Fehler hatten und erwartete von mir diese zu erkennen. Zum Glück klappte das einwandfrei und wir waren wieder auf Augenhöhe. Kleine Notiz am Rande: Während der gesamten Zeit stand ein Mitarbeiter des Weingutes vor mir und hielt mir einen Eimer unter die Nase. Nur dahinein durfte ich die Weine ausspucken. Erinnerte mich merkwürdig an eine Sequenz eines Mel Broks Filmes. Da gab es einen "Pisspagen"...
Wie bereits erwähnt, die Weine waren einwandfrei, aber irgendwie charakterlos. Kein Wunder, die Moste werden in der Regel schon totgequält, bevor sie übrhaupt anfangen können zu gären. Abladen in große Wannen, Transport mit Schnecken zu Riesenentrappern, Maische gepumpt per Zentralbefüllung in die Keltern, Most durch den Konzentrator, danach entsäuern und dann darf er erst gären. Gruselig. Aber so muss das sein in Rumänien, jedenfalls habe ich bis jetzt noch nichts anderes gesehen. Unser Stahlbaron ist natürlich auch an Kontakten ins Ausland interessiert. Export ist das Stichwort. In der Flasche, im BiB, im Tank, egal. Bei seinen Preisvorstellungen wird es aber schwierig. 2007 Aligoté ein Euro pro Liter im Fass! Dafür gibt es keinen Markt!
Der Markt ist überhaupt das Thema in Rumänien. Zwei, drei große Weingüter beherrschen die Bühne. Deren Weine sind überall. In jedem Geschäft, auf jeder Restaurantkarte, überall! Das größte, Murfatlar, hat sage und schreibe 3.000 Hektar Weinberge am Stück. Aber dazu ein anderes Mal mehr.

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ray 09/29/2008 15:16

und schmeckt sooo lecker :-)
www.Ro-Forum.de

pivu 08/04/2008 12:02

Nun also Rumänien (nach Spanien) - "New World" in good Old Europe.

Dirk Würtz 08/04/2008 19:41


So ist es. Nicht aufzuhalten, das Ganze!!!!