Rumänien - 2 - Der östlichste Teil der Eu

Veröffentlicht auf von Dirk Würtz

Nicoresti (gesprochen: Nikorescht), ein kleine Stadt im Nordosten des Landes, ungefähr 90 Kilometer von Galati (da mündet die Donau in das schwarze Meer) entfernt. Nicoresti liegt im Anbaugebiet Moldawien, das ca. 90.000 ha groß ist. Eines von acht Anbaugebieten!!! Das Anbaugebiet ist quasi noch einmal unterteilt in knapp ein Dutzend "Unterapellationen". Eine davon ist eben unser Nicoresti. Ein typisches, rumänisches Ortsbild erwartet den Besucher. Eine endlos lange Strasse, mehr oder minder gut befahrbar. Entlang der Strasse dicht an dicht die Häuser der "Einheimischen". Erbaut aus allem was es zur Bauzeit wohl gerade so gab. Hie und da ragt ein ein neues, eher modernes Haus hervor. Ich habe das Gefühl in Rumänien gibte es mindestens doppelt so viele Strassenhunde wie Menschen (ca.25 Millionen). Nachts ist die Strasse natürlich unbeleuchtet. Und das klassische Fortbewegungsmittel sieht man auf dem nebenstehenden Foto.
Hier in diesem Nest ist also die Farm, die wir unbedingt sehen müssen, und dessen Besitzer uns schon sehnsüchtig erwartet. Farm heißt in diesem Fall 1.000ha Acker und 95 ha Weinberge, dazu natürlich eine "Betriebsstätte". Das ganze sieht so aus:

Im Hintergrund ist der "Keller". Keller heißt 40.000 Liter GfK-Tanks. Uralt, ungepflegt und marode. Kaum vorstellbar, dass da Wein drin sein soll. Nebenan, die Anlieferung mit den Entrappern und der Kelter. Unbeschreiblicher Zustand. Ich habe ja schon viel gesehen in meinem Leben, aber so etwas wirklich noch nie. Das ganze sollte später noch getoppt werden beim Rundgang durch die Weinberge. Das hier ist übrigens eine der Keltern. Die waren teilweise zugewachsen... Wichtigste Rebsorten hier im Betrieb, wie eigentlich in ganz Rumänien ist Feteasca alba (weisse Mädchentraube) und Babeasca (Rotwein, umgangssprachlich "Omatraube" genannt). Als ich in den Weinberg kam, war meine erste Frage wie lange die Anlage schon brach liegt. Diese Frage löste enorme Verwunderung aus. Genaugenomen hat mich eigentlich niemand verstanden. Erst nach mehreren Anläufen wussten meine Begleiter was ich meinte. Zu meinem großen Erstaunen teilten sie mir mit, dass es sich hier um einen ihrer Top-Weinberge handelte. Fantastisch! Eine Drahtanlage ohne Draht, Bäume inmitten der Zeile, eine Erziehungsform die nicht feststellbar war. In der landwirtschaftlichen Abteilung das gleiche trostlose Bild. Defekte Traktoren, Drehpflüge die nur einseitig nutzbar sind. Äcker deren Erträge schlicht und einfach ein Witz sind. Kurzum: Für den typischen ordentlichen deutschen Landwirt und Winzer ein Desaster! Viel Arbeit, wenn man denn möchte. Wir haben für uns relativ schnell festgestellt, dass wir wollen. Die Herausforderung ist groß, die Möglichkeiten gigantisch. Nur dort in Nicoresti, da lassen wir dann doch lieber die Finger weg. Zu weit weg, zu nahe an Moldawien, schlechte infrastruktur. Wir wollen doch lieber in die Walachei, oder noch besser in das Baragan, Letzteres ist nahe an Bukarest und damit wenigstens erreichbar. A propos Bukarest: Für alle Freunde der elektronischen Musik ein MUSS! Eine pulsierende Stadt, die unglaubliche Abwechslung bietet. Kulinarisch leicht "italienlastig" ist und an sieben Tagen in der Woche ein reichhaltiges Programm bietet. eine Stadt, die mich sehr an Paris erinnert, mit einem Verkehr, der den in NY lächerlich erscheinen lässt. Guter Rat: Wenn möglich, NIE MIT DEM AUTO DURCH DIE STADT! ALBTRAUM! U-Bahn fahren macht viel Sinn...

Veröffentlicht in Rumänien

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Kommentiere diesen Post

Ulrich Lennartz 08/13/2010 09:46


Sehr anschaulich beschrieben. Rumänien ist trotz EU-Beitritt immer noch ein Land mit Überraschungen.


Iris 11/18/2008 13:34

nach so viel vor